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BiPRO-Bebauungs­plan nach Makler­bedarfen

BiPRO-Bebauungsplan nach Maklerbedarfen

Logbuch-„Bebauungsplan-nach-Maklerbedarfen“

Unter dem Motto „Licht und Schatten in der digitalen Versicherer-Vermittler-Kommunikation“ waren auf einem Workshop erneut Versicherer, Makler, Pools und Servicegesellschaften aufgerufen, sich gegenseitig bei der mittelfristigen Planung der Entwicklungsarbeiten rund um die technischen Services aktiv zu unterstützen. Ziel ist die Verbesserung der technischen Maklerkommunikation.

Ende Juni fand der diesjährige Workshop der deutsche-versicherungsboerse.de zur elektronischen Kommunikation der Versicherungsmakler statt. 80 Branchenteilnehmer besprachen in Berlin die Bedarfe und Herausforderungen der digitalisierten Versicherungswelt und warfen gemeinsam einen Blick zurück auf die vergangenen 12 Monate. Im Vorfeld hatten rund zehn Makler ein IT-Tagebuch geführt, jetzt berichteten sie über die gemachten Erfahrungen.
Im Fokus der Maklerpräsentationen standen Berichte aus der täglichen Arbeit. Dabei wurden besonders umständliche Prozesse auch schon einmal direkt auf dem eigenen MVP-System präsentiert, um den anwesenden Versicherern die technischen Widrigkeiten des Makleralltages deutlich vor Augen zu führen. Neben Maklern waren auch Maklerverbände und MVP-Hersteller anwesend, denn es entspricht der Natur der Veranstaltung, Problemlösungen direkt anzusprechen und pragmatisch mögliche Lösungen zu diskutieren.
Als Konsumenten von BiPRO-Services geht den Maklern die Digitalisierung häufig nicht schnell genug. Ein Fachkoordinator eines Großkonzerns warb um Verständnis für das strukturierte Vorgehen der Versicherer: „Man kann nicht einfach fachliche BiPRO-Normen wie die Schadenbearbeitung oder den Zahlungsverkehr neu in den Fokus stellen oder einen vertrieblichen End-to-End-Prozess kurzfristig umsetzen, auch wenn das noch so hilfreich für den Vertrieb ist,“ so sein Statement. „Die Planungszeiträume des IT-Ressorts in einem Großunternehmen“, resümierte er, „umfassen zwei Jahre und auch bei Versicherungen sind Zeit und Budget endlich. Aus diesem Grund ist das gemeinsame Verständnis der Maklerbedarfe und das unternehmensübergreifende Abstimmen von BiPRO-Maßnahmen so wichtig und die Abstimmung für alle zielführend.“
Als ein Ergebnis des Workshops verabschiedeten die Teilnehmer eine modifizierte BiPRO-Prioritätenliste. Basis war eine im letzten Jahr aus Maklersicht erstellte Prioritätenliste, welche die Ergebnisse der gemeinsamen Diskussionen zwischen Maklern, Versicherern und Softwareherstellern wieder spiegelt.

Digitalisierung der Schadenbearbeitung

Ein MVP-Hersteller informierte über die neuen Möglichkeiten der digitalen Schadenmeldung per BiPRO-Norm. Der Schaden wird vom Makler im MVP-System erfasst und in Echtzeit beim Versicherer gemeldet. Dieser legt den Schadenvorgang an und meldet den Status an das Maklersystem zurück. Je nach Automatisierungsgrad beim Versicherer erfolgt diese Bestätigung ebenfalls in Echtzeit über die Norm 503 oder zeitlich verzögert nach manueller Schadenanlage über die Norm 430.5. Dazu merkte ein Versicherer kritisch an, dass diese Norm umgesetzt wurde, aber von kaum einem Vermittler in Anspruch genommen wird. „Es fehlt schlicht und einfach die Verbreitung der entsprechenden Funktionen in den MVP-Systemen.“
Auch hier zeigt sich wieder die Notwendigkeit des koordinierten Vorgehens in der Umsetzung von Normen, denn bei einer zu geringen Anzahl an unterstützenden Versicherern besteht für die Hersteller der MVP-Systeme kein Investitionsanreiz. Auch für Maklerunternehmer erfordert es eine „kritische Masse“ an Normenanbieter, damit sich die Umstellung etablierter Arbeitsprozesse lohnt. Die Digitalisierungsoffensive (DIO) der BiPRO braucht daher die Makler, um deren konkreten Bedarfe für alle Beteiligten transparent zu machen. Es wurde sehr begrüßt, dass die Themen "Schaden" und "Bestand" ab 2018 parallel in der BiPRO Community angegangen werden, wie es die Makler in der letzten dvb-Priorisierung aus dem Workshop in 2016 gefordert hatten.
Kritische Fragen wurden von den Maklern dieses Mal in Richtung TGIC gestellt. Nachdem die Pilotumsetzung mit zwei MVP-Systemen erfolgt ist, stellt sich heute die Frage nach dem Mehrwert für den einzelnen Makler. Die Vorträge der Makler zeigten: Der GDV muss seine Kommunikation bei Einrichtung und Hilfestellung der Zugänge deutlich anwenderfreundlicher gestalten und es müssen mehr MVP-Systeme unterstützt werden. Auch ist dringend die Einrichtung des „Organisationsbenutzers“ zur Authentifizierung bei der TGIC erforderlich, mit dem die Makler einen „Zaun“ innerhalb der Extranet-Zugänge für ihre Mitarbeiter ziehen können. Nur so können Sicht- und Nutzungsrechte für die Mitarbeiter gesteuert werden. Ansonsten ist die TGIC für Maklerunternehmen praktisch nicht nutzbar.
Ein grundsätzliches Problem ist der Parallelbetrieb von zwei Single-Sign-On Systemen, die auf einen Nutzer von „easy Login“ heute eher von einer Entscheidung zur Teilnahme an der TGIC abschrecken. Zusammen mit diesen Fragen wurde ein Mitspracherecht der Makler im Beirat der TGIC gefordert, um die Anforderungen an das gemeinsame System besser vertreten zu können. Im Sinne der erfolgreichen Digitalisierung der Branche ist zu hoffen, dass sich die politische Willensbildung beim GDV nicht zu lange hinzieht.

Jährliche BiPRO-Prioritätenliste aus Maklersicht

Wie schon im Vorjahr steht an erster Stelle des Digitalisierungsbedarfs der Makler die DIO der BiPRO, die in diesem Jahr noch die Umsetzung der 430.4 Norm (Use Case 6) vorsieht: die Übermittlung von Geschäftsvorfällen mit Dokumenten und Zuordnungsdaten. Anschließend folgt auf der Wunschliste der Anwender die Bestandsdateneinsicht. Mit den 500er Normen können die Vermittler Vertrags- und Kundendaten beim Versicherer abfragen. Diese Abfragen erfolgen in Echtzeit, so dass bei einem Vollausbau dieser Norm kein eigener Datenbestand im MVP-System mehr vorgehalten werden muss. Das könnte in den MVP-Systemen das Dauerproblem der Qualität von GDV-Daten lösen, indem direkt auf den aktuellen Stand beim Versicherer zugegriffen wird. Einer solchen Lösung begegnen die Makler jedoch noch mit großer Skepsis.
Der Fokus in der digitalen Automatisierung des Maklerbüros liegt in der Kostenreduktion bei den Retailprodukten. Für den Makler ist es grundsätzlich wichtig, über Änderungen bei Kunden und Verträgen nicht nur informiert zu werden, sondern Anforderungen aus der Bestandsdatenarbeit medienbruchfrei an die Produktgeber zu übermitteln. Dieses geschieht ebenfalls über die Normen 501 und 502, als eine vom Consumer initiierte Aufgabe von Änderungen der Kunden- bzw. Vertragsdaten. Fast alle Versicherer reduzieren die telefonische Erreichbarkeit der Fachbereiche, was neue Herausforderungen mit sich bringt. Wenn schnelle Entscheidungen wie z.B. die Bewilligung von Trocknungsmaßnahmen bei Wasserschäden gefragt sind, ist die schnelle Antwort und nicht die Norm der Datenübertragung ausschlaggebend.
Zum Thema Vermittlerabrechnung präsentierte ein Makler, wie hoch der Aufwand der manuellen Kontrolle der Vermittlerabrechnungen ist. Aufgrund der hohen Komplexität der Abrechnungsdaten wurde deutlich, dass auch mit Normen zur Datenübermittlung ein hoher Restaufwand verbleibt. Das Auditorium war sich daher einig, dass man die Kräfte aktuell auf die Schadenprozesse (Meldung und Auskunft) konzentrieren sollte, wie es die neue DIO der BIPRO ab 2018 für die nächsten zwei Jahre vorsieht.

Zukunft der MVP-Systeme

Auf der Veranstaltung wurde ein grundsätzliches und existenzbedrohendes Problem der klassischen Makler deutlich: Die Abhängigkeit von ihren MVP-Systemen. Pools und große Vertriebe mit ihren millionenschweren Budgets können dem Motto "Prozess vor Provision" in ihren selbst entwickelten Onlinesystemen scheinbar mühelos folgen und konsequent Prozessoptimierung betreiben. Maklerunternehmen sind hingegen ohne eigene IT-Entwicklung von den konventionellen Systemen abhängig und haben praktisch keine Möglichkeit, Einfluss auf die Umsetzungspolitik zu nehmen. Dazu stellte ein Pool-Manager trocken fest: "Das geht auch nicht wieder weg."
Eine sehr aufschlussreiche und lebhafte Veranstaltung, auf der die Protagonisten der Branche die Köpfe zusammenstecken und Klartext sprachen. Der Workshop mit den Anwendererfahrungen aus dem Makleralltag ist damit die praktische Ergänzung zu den offiziellen Veranstaltungen der BiPRO, auf der die fertigen Umsetzungen präsentiert und prämiert werden.

Henning Plagemann
BiPRO-Berater bei Sopra Steria Consulting